Das Handwerk

Die Arbeit des Blaudruckers

Die Druckstöcke

Die Dekore der Blaudruckstoffe werden von Hand mit Druckstöcken, den sog. Modeln, aufgedruckt. Diese Druckstöcke bestehen aus einem Holzkörper, in welchem an der Oberseite das Muster aus dem vollen Birnbaumholz geschnitten wurde, und zusätzlich wurden mit Metallstiften und -formstücken feinere und feinste Musterteile gebildet. Die Werkstatt „im Kattrepel“ besitzt z. Zt. ca. 700 alte Model, wovon ca. 500 Muster druckfähig sind. Diese Druckstöcke stammen aus ehemaligen Werkstätten Ostfrieslands, aus Holland, Ungarn und der Schweiz…

Das Drucken

Mit den Modeln wird eine grünlich klebrige Masse auf den weißen Stoff aufgedruckt: der sogenannte „Druckpapp“. Diese ca. 350 Jahre alte Rezeptur besteht aus „Gummi arabicum, Tabackspfeiffenerde, Vitriol, Spangrün, Alaun und Galitzenstein“ und wirkt als schützende Reserve auf dem weißen Tuch, wie eine Art Wachs.

Das Färben

Die anschließende Blaufärbung findet in der Indigo-Küpe statt. Der bedruckte Stoff wird auf einen eisernen Kronreifen gespannt und bis zu zehnmal in den Färbebottich getaucht, bis die gewünschte Farbtiefe erreicht ist. Beim Färben mit Indigo erlebt der Zuschauer sein „blaues Wunder“, und der Stoff wird vom Färber anschließend „grün und blau geschlagen…“. Danach wird der anfangs aufgedruckte Papp abgewaschen, und das weiße Muster erscheint auf blauem Grund.

Die „Blaudruckerei im Kattrepel“ erfüllt mit moderner Filtertechnik die Vorschriften für die Abwasser-Reinigung und hält die behördlichen Grenzwerte für Einleiter von Schadstoffen ein. Die Stoffe der „Blaudruckerei im Kattrepel“ werden entweder traditionell mit Indigo oder einem modernen Indanthren-Blau in der Küpe gefärbt. Aus Leinen, Baumwolle, Hanf, Samt und Seide werden Dekor- und Kleiderstoffe gefertigt.

Die Geschichte

Wir Europäer lernten erst vor ca. 400 Jahren das Färben mit Indigo und den Reservedruck durch den Handel mit Indien kennen. Vorher kannten wir zum Blaufärben nur den Färberwaid aus Thüringen, der vom besseren tropischen Indigo verdrängt wurde. Bei beiden Pflanzen wurde aus dem Saft ein blaues Pulver gewonnen. Blaudruckereien gab es in allen europäischen Ländern. In Jever z.B. haben durch die Jahrhunderte immer drei Werkstätten gearbeitet, bis sie zur Zeit der Jahrhundertwende durch die Industrie verdrängt wurden.